„Für eine Aufwertung des Bunkers Feldstraße – ohne Privatisierung“

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so hatte das Bezirksparlament am 5.7.2016 beschlossen und auf eine Reihe von Auflagen für eine Baugenehmigung festgelegt. Knackpunkt der Auflagen: die Bebauung sollte auf drei Geschosse beschränkt werden.

„Aufgrund der Verschattung und der städtebaulichen Struktur erscheint das Volumen zu massiv. Daher wird der Bezirksamtsleiter gebeten bei der Genehmigung eine Reduzierung um zwei Stockwerke der beantragten Geschossigkeit vorzunehmen. Die dem Stadtteil zugedachten Nutzungen müssen dabei umgesetzt werden.“ (zitiert nach dem Beschluss vom 5.7.2016)

Die Verwaltung hat nun diese Auflagen geprüft und nach Verhandlungen mit dem Investor Stellung genommen:

„Eine Reduzierung um 2 Geschosse hätte dazu geführt, dass die Sporthalle nicht umsetzbar gewesen wäre und insgesamt die dem Stadtteil zugedachten Nutzungen reduziert worden wären. Vor diesem Hintergrund hat der Bauausschuss in seiner Sitzung vom 9.11.2016 den Vorschlag mehrheitlich akzeptiert.“ (Hervorhebungen feldbunker.de)

Ja, wer reduziert hier und wen ?

Es sieht nach einem Powerplay des Investors aus. Bei nur drei Geschosssen gibt es keine Sporthalle und die Flächen die dem Stadteil dienen sollen werden dann halt reduziert. Dabei wird die Vermietung (!) der teilweisen „Sporthallennutzung“ an den FC St. Pauli pauschal als „Stadtteilnutzung“ definiert und dient jetzt zur Rechtfertigung der Fünf-Geschossigkeit.
Hier geht es nicht um Sachzwänge, sondern Verwaltung und Bauausschuss haben sich offenbar vom Investor in die Zange nehmen lassen.

Wie konnte es dazu kommen?

Es liegt an den völlig falschen Prämissen die in der Entschließung des Bezirksparlamentes angelegt sind. Dort heißt es:

„Die Aufstockung des Bunkers in der Feldstraße mit verschiedenen Nutzungen und der geplanten Begrünung kann ein Leuchtturm sein und richtungsweisend für die nächsten Jahrzehnte.“ und „Es wird auf kreative und einer Großstadt würdiger Art Raum für eine dringend benötigte Sporthalle für den Breitensport und eine bei immer größerer Verdichtung hoch willkommenen Grünfläche entstehen.“

Hier wird in der heute üblichen neoliberalen Denkweise, nach der die Ökonomisierung aller Lebensbereiche das Allheilmittel ist und Stadt und Staat immer mehr öffentliche Aufgaben an die Wirtschaft abgeben, der Kommerzialisierung des Breitensportes Vorschub geleistet.

Die Stadt ist so fein raus, keine Baukosten, kein Unterhalt, keine Verantwortung,  ok, ein wenig Subventionierung über den Pachtverzicht und schon bekommt der „Stadteil“ St. Pauli die dringend benötigte Sporthalle? Die Zeche zahlen die Anwohner*innen, die davon gar nichts haben, sofern sie nicht sportreibendes Mitglied beim FC St. Pauli sind. Und wenn der FC St. Pauli sich  später anders entscheidet, ihm Unterhalt und MIete auf Dauer zu teuer werden, sich das doch nicht rechnet? Wer soll dann die mehreren hunderttausend EUR Jahresmiete aufbringen?

Ein anderer Breitensportverein bestimmt nicht. Im Breitensport werden keine Einnahmen generiert, die solche Mietzahlungen ermöglichen. Es ist daher davon auszugehen, dass die teilweise Sporthallennutzung nur eine Zwischenlösung ist, die anfängliche Akzeptanz schaffen soll. Langfristig geht der Weg hin zu einer Event-, Konzert- und Veranstaltungshalle. Sollte der Investor keinen Mieter mehr für eine Sportnutzung finden, wird ihn keiner zwingen können die Halle unvermietet leer stehen zu lassen.

So ein Konzept hat mit verantwortungsvoller Sportpolitik der „Sportstadt Hamburg“ überhaupt nichts gemein!

Vorteile für einige wenige – Nachteile für den ganzen Stadtteil

Der Bauauschuss des Bezirkes drängt weiterhin auf ein Verkehrkonzept des Investor, er macht es aber nicht zur Auflage. Kommt Zeit kommt Rat, kommt Parkplatz. „Zur Parkraumsituation gibt es die Vereinbarung, dass der Investor von den 377 notwendigen Stellplätzen 124 auf dem Gelände der Rindermarkthalle nachweisen soll und der Rest für 2 Jahre gestundet wird.“ Der Rest? Das sind 2/3 der notwendigen Parkplätze für die es keine Flächen gibt. Aber gebaut werden soll trotzdem.

Die Bezirksversammlung wird am 17.11. die Antworten der Verwaltung und die Entscheidung des Bauausschusses zur Kenntnis nehmen.

Es bleibt spannend ob die Fraktionen des Parlamentes sich so aushebeln lassen und sich von ihrem eigenen Beschluss und den Auflagen verabschieden.

Alle Zitate nachzulesen hier: 21-2396-1

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